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Die Jahre 1962 bis 1984


>>> Online-Dokumente zu dieser Lebensphase Hermann Schroeders finden Sie hier.

Die späten Jahre

Mit diesem Einschnitt begann die 3. Lebensphase, die Spätzeit Hermann Schroeders (1962-1984). Die stellvertretende Leitung der Hochschule und die Lehrtätigkeit an der Universität Köln gibt er auf, in Bonn beschränkt er sich auf wenige Stunden. Er konzentriert sich auf die Professur an der Kölner Hochschule und das Komponieren.
Dieser Einschnitt im persönlichen Bereich wurde ergänzt durch den tiefgreifenden Wandel der kirchenmusikalischen Rahmenbedingungen nach dem 2. Vatikanischen Konzil (1962-65).


H. Schroeder (r.) mit seinem Hochschulkollegen Michael Schneider ( HSG)

Schroeder griff einige liturgische Neuerungen auf und schrieb verstärkt Werke in deutscher Sprache. Er probierte neue Formen der Messkomposition aus, bei denen neben dem Chor auch die Gemeinde aktiv in die Komposition einbezogen wird ("Missa cum populo activo").
Insgesamt aber bedauerte er, dass die lateinische Sprache in den Hintergrund gedrängt wurde und mit ihr ein Teil des kunstvollen Repertoires - vor allem die Gregorianik - verschwand, während im Gegenzug der Anteil neuer Kirchenlieder und populär geprägter Kirchenmusik zunahm. "Wenn die Früchte des Konzils so aussehen," schrieb er 1965 an den Kölner Erzbischof Josef Kardinal Frings, "muss ich darin gleichzeitig das Ende meines kirchenmusikalischen Lebenswerkes sehen." Schroeder beobachtete mit einer gewissen Resignation, dass das kirchenmusikalische Niveau verflachte. Daher wandte er sich in den 70er Jahren verstärkt der Kammermusik zu und schrieb z.B. einen Zyklus von 11 Solosonaten für alle wichtigen Streich- und Blasinstrumente.

Am 31. Mai 1974 erhielt Schroeder für sein kompositorisches und pädagogisches Wirken die Ehrendoktorwürde der Universität Bonn. In einer Rede anlässlich dieser Auszeichnung hat er begründet, warum ihm das Unterrichten so am Herzen lag: "... habe ich an Hochschule und Universität versucht, junge Menschen in die Auseinandersetzung mit der Musik unserer Zeit einzuführen, ihnen zu helfen, Entwicklungen aus lebendiger Tradition zu begreifen und sie zu handwerklichem Können anzuleiten, um ihr Bewußtsein dem sinnvollen Experiment zu öffnen. Für ein Leben voller Anregungen aus der künstlerischen Problematik junger Menschen darf ich an dieser Stelle auch den Lernenden danken. In der fruchtbaren Spannung zwischen Komponist und Lehrer begreife ich die Aufgabe meines Lebens sowie die Voraussetzung für alles, was neu entstehen will.

Bis zuletzt engagierte sich Schroeder als leidenschaftlicher Pädagoge für die Ausbildung junger Menschen. Nach seinem Ausscheiden aus der Kölner Musikhochschule fuhr er 1981-83 noch in hohem Alter jede Woche mit dem Zug nach Regensburg, zur Ausübung eines Lehrauftrags für Tonsatz an der Kirchenmusikschule. Er starb am 7. Oktober 1984 in Bad Orb, wo er als Teilnehmer an einer Podiumsdiskussion zu Fragen der nachkonziliaren Situation am "Kirchenmusiktag" der Diözese Fulda teilgenommen hatte. (© Dr. Rainer Mohrs)